Landesinnungsmeister Marcus Eisinger informiert

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Seit 16. März heißt es: „Schau auf dich, schau auf mich! Gemeint ist damit, dass wir das Coronavirus nur dann besiegen können, wenn wir zusammenhalten und gegenseitig aufeinander aufpassen!

Ich sag‘s gleich offen raus: Ich stehe zu 100% hinter den Maßnahmen der Bundesregierung! Es besser wissen und kritisieren ist das Eine, Entscheidungen treffen und damit über Leben und Tod zu entscheiden das Andere…

Womit wir auch schon am Punkt sind: Leben und Überleben steht über allem!

Trotzdem ist die Situation für uns 1.800 Wiener Friseurbetriebe extrem schwierig.

Jede und jeder von uns bangt um seine wirtschaftliche Existenz. Ganz nach dem Motto der Bundesregierung „Gemeinsam schaffen wir das!“ sichern wir unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit vorübergehend ab. Natürlich hoffen wir, dass wir das Ärgste durch die verschiedenen Überbrückungs – und Finanzierungshilfen der Bundesregierung abfedern können, aber niemand weiß, wie lange wir die Kosten ohne Einnahmen tragen können.

Solidarität ist also das Gebot der Stunde – würde man denken! Aber dem ist nicht so! Gerade diejenigen, die am lautesten Solidarität einfordern, denken in dieser schweren Zeit nur an sich: die Gewerkschaftsvertreter der vida!

Ich glaubte zuerst an einen Aprilscherz, als ich von unserem Bundesinnungsmeister, KommR Wolfgang Eder, nur wenige Tage davor erfahren musste, dass der Vorschlag der Bundesinnung, wegen der Corona-Krise die Erhöhung der Löhne und Lehrlingsentschädigungen per 1. April auf nach der Coronakrise zu verschieben, seitens der Gewerkschaft abgelehnt wurde.

Zur Erinnerung: Diese 3-stufige Lohnerhöhung, die 2017 beschlossen wurde, war der Beitrag der Sozialpartner zu der von der damaligen Regierung geforderten Umsetzung des Mindestlohns von 1500 EUR. Ab 1. April 2020 tritt dieser Rahmen-Kollektivvertrag und das Lohnabkommen in Kraft. * Daher waren und sind wir jetzt auf die Zustimmung der Gewerkschaft angewiesen.

Man muss es sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen: Während wir ums Überleben – gesundheitlich wie wirtschaftlich – und um den Erhalt der Arbeitsplätze kämpfen, besteht die Gewerkschaft auf Gehaltserhöhungen. Zu einem Zeitpunkt, wo die Mitarbeiter auf 100% Kurzarbeit sind, die wir Unternehmer und die Bundesregierung finanzieren!

Ganz abgesehen davon, dass das geschmacklos und unmoralisch ist, bringt es uns nach Corona in eine brisante Situation. Wer kann es sich leisten mit Preiserhöhungen wieder aufzusperren? Der Rucksack, den wir Unternehmer nach Corona zu tragen haben, wird ohnehin schon schwer genug sein, um überhaupt wieder in die betriebswirtschaftliche Kostendeckung zu kommen.

Apropos: Ich trage diese Entscheidung nicht mit und lade jede und jeden von euch ein, der das ebenso nicht tut, gerne seine Meinung an den vida Bundesvorsitzenden, Roman Hebenstreit, zu schicken: roman.hebenstreit@vida.at

Und wenn wir schon von Geschmacklosigkeit reden. Noch etwas brennt mir auf der Zunge:

Ich sage euch als Friseurkollege, Innungsmeister, aber auch als Kind meiner Mutter und selbst Vater von zwei Kindern: Jede Kollegin und jeder Kollege, der in dieser kritischsten Phase unserer Republik seit dem 2. Weltkrieg das „Arbeitsverbot“ ignoriert, pfuscht oder nur schnell mal „Nachbarschaftshilfe“ leistet, verrät seine KollegInnen, riskiert das Leben unschuldiger Mitbürger und verzögert den frühest möglichen Zeitpunkt für ein wieder Aufsperren unserer Salons!

Gar nicht auszudenken welche fatale Auswirkung es auf unser gesamtes Branchenimage hätte, wenn dadurch das Coronavirus seine Verbreitung finden würde…

Ich habe dafür null Verständnis und es darf hier auch keine Toleranz seitens der Behörden geben!

Vergesst nie: Die Gesundheit ist unser höchstes Gut! Oder wenn ich den inzwischen legendären, aufgeregten, italienischen Bürgermeister mit seinen drastischen Worten zitieren darf, der von „idiotischen Friseuren“ spricht, die „von Haus zu Haus“ gehen und fragt: “wer denn die Frisuren sehen wird in den Särgen, weil diese nämlich verschlossen sind.“

Die Bundesregierung sagt ganz klar: Es wird so lange dauern, wie es dauern muss.

Wenn es dann soweit ist, möchte ich, dass wir unsere Salons – auch mit notwendigen Restriktionen – so früh wie möglich wieder öffnen können.

Liebe KollegInnen und Kollegen, lasst Eure Vernunft sprechen und habt Geduld. Gemeinsam schaffen wir das!

Bleibt‘s gesund!

Euer Innungsmeister

Marcus Eisinger

*Da zur Berechnung des Nettoentgelts während der Kurzarbeit das Nettoentgelt vorder kollektivvertraglichen Lohnerhöhung als Berechnungsbasis herangezogen wird, erhält der Arbeitnehmer unterm Strich während der Kurzarbeit nicht mehr Geld. (Quelle: Schreiben der Bundesinnung vom 27.3. 2020)